Den Wert von Kunst erkennen

„Ist das Kunst oder kann das weg?“

Mike Krüger über die Zerstörung Joseph Beuys Kunst

Diese Frage stellten sich die Putzkräfte, bevor sie einen Fehler machten, der sie 40.000 Mark kostete.

Foto: Mario Gastinger, Photografie, München

Im Jahre 1973 ereignete sich ein Kunstskandal: Leverkusener Putzkräfte reinigten das Kunstwerk „Badewanne“ von Joseph Beuys und verwechselten es mit einem dreckigen Gegenstand.

Das Kunstwerk besteht aus einer mit Mullbinden und Pflastern „verarzteten“ Badewanne. Die Badewanne steht auf einem vierbeinigen Hocker, welcher ebenfalls Mullbinden und Pflaster trägt. Am niedrigsten Punkt, der Stirnseite der Badewanne, ist ein Auslass angebracht.

Wir denken, dass die Badewanne aufgrund der Pflaster symbolisch für Verletzung, Heilung und Genesung steht. Durch das Bekleben mit Pflastern und Mullbinden erweckt Beuys den Anschein, dass die Badewanne verletzt und daraufhin medizinisch versorgt wurde. Daraus kann man einen Bezug zu seinem Leben herstellen. Als er im Krieg einen Flugzeugabsturz erlitt, wurde er mit einfachen Hausmitteln wie Fett und Filz versorgt und gesund gepflegt. Dieses Ereignis erschaffte vermutlich eine Verbindung zu einfachen, lebenserhaltenden Stoffen.

Unserer Meinung nach löst das Kunstwerk Mitgefühl, Mitleid und Empathie gegenüber der Badewanne aus. Die Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ lässt sich unserer Meinung nach damit beantworten, dass alles Kunst ist. Auch Joseph Beuys sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt.“ Wir wollen euch Leser dazu auffordern, Kunst zu achten und selbst wenn sie aus alltagsgegenständen wie Pflastern oder Badewannen besteht, den Mehrwert in ihr zu sehen, anders als die Putzkräfte in Leverkusen.

Bildquellen:

Mario Gastingers Homepage

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Mario Gastinger.

Dieser Blog wurde erstellt von Max, Ferdinand und Otto

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