
„Schon die Intensität eines Schreis sei am zweiten Tag eine andere.“
– Anne Imhof
Menschen rotieren langsam über Glasböden, sie beginnen sich unnormal zu bewegen. Das Publikum ist Teil der Inszenierung und versteht dennoch kaum, was das Werk aussagen soll. Die Performance „Faust“ von Anne Imhof aus dem Jahr 2017 stellt nicht nur eines ihrer bekanntesten Werke, es sorgt bis heute für Diskussionen. Was steckt hinter der Inszenierung von Imhofs „Faust“ und lässt sich dieses Werk überhaupt als Kunst betiteln? Wir haben uns mit diesen Fragen auseinandergesetzt.
Zum einen lässt sich festhalten, dass Anne Imhofs Inszenierung zum Nachdenken anregt. Die Performance kann Fragen über Macht, Kontrolle und Isolation aufwerfen und dabei die gesellschaftlichen Strukturen kritisieren. Z.B. lässt sich die emotionslose Mimik sowie die mechanischen Bewegungen der Schauspieler als Ausdruck einer gewissen Orientierungslosigkeit und Entfremdung in der modernen Gesellschaft lesen. Diese Ebene der Interpretation ist ein wichtiger Aspekt der Kunst.

Demgegenüber wirkt die beinah zu abstrakte und schwer zugänglicher Art, die die Künstlerin nutzt. Für einige Zuschauer ist unklar, was die Performance aussagen soll. Wir haben beispielsweise die Verwendung der Hunde in der Inszenierung nicht verstanden. Dadurch fehlt der Faktor der Geschichte, die ein Kunstwerk erzählen soll.
Trotzdem lässt sich festhalten, dass Imhof eine starke Atmosphäre erschafft und dabei das Publikum einbindet. Zuschauer können die speziellen Bewegungen auf dem Glasbodens hautnah miterleben. Das schafft Anspannung und Konzentration. Oft sind Schauspieler direkt vor den Zuschauern in einen verbalen Konflikt verwickelt. Die ruckartigen Bewegungen auf der kompletten Fläche zwingen die Rezipienten zu reagieren, zurückzuweichen oder gar mit einzugreifen. Damit erschafft Imhof eine komplett neue Art der Kunstinszenierung.

Abschließend markiert Anne Imhofs Werk „Faust“ eine neue, herausfordernde Form der Kunst. Auf der einen Seite überzeugt die Performance durch ihre intensive Atmosphäre und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen. Auf der anderen Seite wirkt sie auf manche schwer zugänglich, abstrakt und fern klassischer künstlerischer Kriterien. Dennoch sind wir der Meinung, dass „Faust“ als Kunst angesehen werden kann. Vor allem aus dem Grund, dass das Werk zeigt, dass Kunst nicht nur betrachtet, sondern erlebt und hinterfragt werden kann.

Abbildung 4: Eigenproduktion aus Video: Faust
Verfasser: Jonas, Wilhelm, Friedrich
Kontakt: Immanuel-Kant-Gymnasium Impressum
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