D E R L A U F D E R D I N G E

Ein Brett, das umkippt und einen Autoreifen in Bewegung setzt. Kann man das wirklich noch als Aktionskunst bezeichnen? Doch hinter dem Aktionskunstwerk „The Way Things Go“ steckt weit mehr als ein einfaches Zusammenspiel von Kräften. Das Werk zeigt das Zusammenspiel von Aktion und Reaktion, von Impuls und Wirkung – ein präzises Ineinandergreifen einzelner Elemente, das ist der Lauf der Dinge.

Die beiden Künstler Fischli und Weiss treiben dieses Prinzip auf die Spitze, indem sie alltägliche Gegenstände aus ihrem gewöhnlichen Kontext lösen und zu Protagonisten eines absurden, beinahe poetischen Spektakels machen. Plötzlich wird der Gummireifen nicht mehr nur zum banalen Objekt, sondern zum entscheidenden Akteur in einer sorgfältig konstruierten Kettenreaktion.

Damit stellt sich die Frage, ob man hier tatsächlich noch von Aktionskunst sprechen kann – oder ob das Werk gerade zeigt, dass Kunst nicht zwingend aus großen Gesten bestehen muss. Sie kann sich in der stillen Choreografie von Objekten zeigen, in der Zufälligkeit des Geschehens oder gerade im sorgfältig inszenierten Zusammenspiel dieser beiden Pole. Fischli und Weiss demonstrieren, wie fragil, überraschend und zugleich unvermeidbar der Lauf der Dinge sein kann.

Gerade dieser Perspektivwechsel macht „The Way Things Go“ so faszinierend: Er zeigt, wie sehr unsere Welt aus verborgenen Zusammenhängen besteht – aus Ursache und Wirkung, aus Impuls und Folge. Die Künstler schaffen es, diese Mechanismen sichtbar zu machen, ohne dabei didaktisch zu wirken. Stattdessen lassen sie die Dinge für sich sprechen und entfachen gleichzeitig eine leise Ironie: Das Alltägliche wird bedeutungsvoll, das Banale spektakulär.

„A personal little story has the same importance as a big historical event.“ — Peter Fischli

Quelle: Interview auf der Seite der Pinault Collection / Bourse de Commerce.

Mattis Lenz, Janek Wolfert, Jannika Twork

Andere Quellen: Google Images; ChatGPT; YouTube